An der Nordseeküste… Oh, oh ich bin ein Friesenjung…

Am Montagmorgen (11.6.) geht’s also wieder los – Brigitte bringt um zum Bahnhof. Dort kaufen wir noch ein bisschen Proviant für die Reise ein, dann geht’s mit dem Zug geht‘s von Thun nach Bremerhaven. Die fast 10-stündige Fahrt vergeht wie im Fluge 🙂 Unterwegs prüfen wir nochmals, ob wir alles dabei haben, um morgen den Camper abzuholen… Fahrzeugausweis, Pass und Frachtschein – was für ein Frachtschein? Um nicht am kleinen Detail zu scheitern, nutze ich in Bremen unseren Aufenthalt um einen Internet-Hotspot zu finden und Seabridge bezüglich der fehlenden Dokumente zu kontaktieren…als wir in Bremerhaven ankommen, ist alles bereits erledigt und wir können am nächsten Tag beruhigt zum Hafen fahren. Mit dem Bus fahren wir zu unserer Unterkunft, welche wir im ersten Anlauf nicht finden. Wenig später zeigt uns Paolo dann unser Zimmer – na ja, für eine Nacht ist es ok! Wir wollen die verbleibende Zeit noch etwas nutzen um uns Bremerhaven anzuschauen und machen einen Spaziergang zum Deich und den Havenwelten. Wir sind etwas hungrig und suchen nach einem Restaurant…im 1. hat‘s keinen Platz, im 2. ist eine geschlossene Gesellschaft, das 3. (Scala) sieht aus der Distanz nicht so einladend ein, das 4. hat gerade die Küche geschlossen…nun sind wir schon über 1 Stunde unterwegs…Nr. 5 finden wir zufällig – und ist ein Tipp von Tripadvisor: … auf einem alten Schiff beim Schiffsmuseum! Top – wir bestellen eine Fischplatte: 4 verschiedene Fische, Kartoffeln, Saucen und Salat…und schlemmen begleitet von einem feinen Rosé 🙂

Am nächsten Morgen gibt‘s Kaffee und Brötchen beim Havenbäcker. Dann fahren wir mit dem Bus zum Büro der Rederei. Dort müssen wir noch das Lagergeld bezahlen und werden dann zum Hafenterminal gefahren wo wir den Camper abholen können. Wir sollen drinnen links zum Schalter…als wir drinnen sind, stehen da schon etwa 10 weitere Personen und warten auf den Schalter links. Nach 20 Minuten werden dann die Schalter erst mal geschlossen, da sie jetzt Pause machen!!! Nach einer halben Stunde kommen sie wieder zurück und es geht weiter, mittlerweile warten etwa 20 Personen! Ich überlege mir schon, ob ich den Betriebsrat der Gesellschaft, welcher in einem Sitzungszimmer nebenan tagt, mal fragen soll wie es bei ihnen so bezüglich Kundenorientierung steht – lasse es dann aber bleiben. Denn nach der Pause geht‘s dann zum Glück vorwärts…und so kann Cyril nach etwa 1.5 Stunden die notwendigen Papiere abholen. Jetzt soll er draussen warten, er wird von einem Hafenarbeiter abgeholt und zum Camper gebracht. Ich warte drinnen…nach ca. einer halben Stunde gehe ich mal nachschauen – und sehe, dass Cyril immer noch draussen sitzt und wartet! Eine weitere halbe Stunde später kommt dann besagter Hafenmitarbeiter doch noch und 5 Minuten später kommt Cyril mit dem Camper zurück 🙂 Nachdem wir dem Zollbeamten versichern konnten, dass das Fahrzeug aus der Schweiz und nicht aus Kolumbien stammt, konnten wir endlich aus dem Hafen rausfahren. Wir parken in der Nähe der Havenwelten und feiern das Wiedersehen mit dem Camper bei einem feinen Mittagessen im „Scala“ (welches uns empfohlen wurde und aus der Nähe tiptop aussieht :)). Frisch gestärkt machen wir uns auf eine „Weltreise“ im Klimahaus. Entlang des Längengrad 8° besuchen wir verschiedene Orte der Welt und erleben die jeweiligen Klimas und lernen viel über die Menschen, die dort leben und ihre Bräuche. Wir „fühlen“ einen schweizer Gletscher, „verhitzen“ in der Wüstenhitze Afrikas, frieren in Alaska und schwitzen in Samoa… eine spannende Reise rund um den Globus.

Bevor wir weiterfahren, müssen wir noch die zusätzlichen Seitenspiegel am Camper montieren. Diese hatten wir in Südamerika zwar dabei, aber nie montiert. Da wir davon ausgingen, dass sie sonst sowieso von jemandem „abmontiert“ werden – sei es von Hand oder mit dem Auto 🙂

Unser nächstes Ziel ist Besenstiel…ah, nein Bensersiel 😉 Wir richten uns auf dem riesigen Campingplatz auf einem Sandplätzli ein. Das ist wunderschön, hat aber den grossen Nachteil, dass wir überall, also auch drinnen, viel Sand haben… Am nächsten Tag mieten wir Velos und düsen los. Hier gibt‘s überall Velowege (autofrei!). Wir fahren dem Deich entlang in die Nachbardörfer. Sehr idyllisch…links die Nordsee, rechts die „Deich-Rasenmäher“ auch Schafe genannt 🙂 Wir fahren und fahren…mit Rückenwind ist das alles auch kein Problem… die langen Sandstrände sind mit vielen farbigen Strandkörben dekoriert. In Neuharlingersiel machen wir Mittagspause und essen im Hafen unsere Sandwich. Dann geht‘s zurück…Die Rückfahrt ist nun etwas mühsamer, da der Wind leider nicht gedreht hat und wir nun ziemlich starken Gegenwind haben. Nach der Anstrengung haben wir uns einen Apéro verdient…doch dieser fällt leider ins Wasser…Cyril entdeckt, dass unsere Wasserleitung irgendwo rünnt 😦 und so begeben wir uns auf die Suche nach der Ursache. Cyril kann den Schaden nicht beheben uns so bleibt uns nichts anderes übrig, als am nächsten Tag in eine Garage zu fahren.

Ein Unglück kommt selten allein…wir machen uns startklar, um in die Garage zu fahren…als ich vom Glasentsorgen zurückkomme, sehe ich wie Cyril rückwärts fährt…und die Campingtreppe noch nicht hochgeklappt ist…und vom Camper „überfahren“ wird! Ach du sch…

In der Garage schauen sie sich die Schäden an…den mit der Treppe natürlich mit einem Schmunzeln… Leider ist das passende Material nicht da – wir bestellen einen neuen Wasserhahn und machen einen Termin für den nächsten Tag. Cyril werkelt noch ein bisschen an der Treppe, so dass wir wenigstens wieder in die Kabine kommen.

Wie vereinbart, bringen wir am nächsten Morgen früh den Camper zur Garage…einer der Mechaniker bringt uns mit dem Auto zurück nach Bensersiel zum Hafen. Wir wollen einen Ausflug nach Langeoog machen… und schon wenig später sitzen wir auf der Fähre und geniessen die Sonne und den Fahrtwind. Die Schifffahrt dauert ca. eine halbe Stunde. Dann geht‘s noch mit der Inselbahn weiter bis ins Zentrum von Lageoog. Wir mieten zwei coole Velos und fahren los…die Insel ist nicht so gross und so können wir fast die gesamte Insel erkunden – über Stock und Stein…erreichen wir einen schönen Sandstrand. In vielen bunten Strandkörben geniessen die Leute das herrliche Wetter. Nach einem Picknick im Park radeln wir stramm weiter bis ans Ostende der Insel. Da Langeoog autofrei ist, sind wir in guter „Radler-Gesellschaft“. Wir geniessen die schönen, autofreien Velowege… zurück im Städtli gibt‘s ein feines „Rhabarber-Zvieri“ 🙂 Nun geht‘s mit der Inselbahn und Fähre zurück nach Bensersiel.

Leider ist der bestellte Wasserhahn nicht eingetroffen und so mussten sie eine Alternative einbauen, aber wenigstens rünnt nichts mehr (dachten wir jedenfalls…). Die Leiter konnten sie wieder etwas zurechtbiegen und verstärken, so dass diese nun wieder stabil ist! Den Tag lassen wir bei einer Flasche Rosé und dem Fussballspiel Spanien vs. Portugal ausklingen 🙂

Gemütlich fahren wir am nächsten Tag weiter nach Emden – der Campingplatz liegt direkt hinter dem Deich. Obschon das Wetter nicht super ist, machen wir uns mit den Velos auf eine nächste Erkundungstour. Auch hier wieder: kilometerlange Velowege dem Deich entlang… Schafe, Wind, Regen, Sonne – was halt so dazu gehört 🙂 Wir fahren nach Greetsiel – ein herziges Städtli mit vielen kleinen Geschäften und Beizlis. Mir schein, egal wie kalt es hier ist, die Menschen essen die ganze Zeit Gelati – also tun wir es ihnen gleich 🙂 frisch gestärkt strampeln wir dann zurück zum Camping. Heute spielt Deutschalnd…wir sind also gespannt auf das WM-Fieber auf dem Campingplatz – dort werden alle Spiele im Aufenthaltsraum gezeigt. Nach einer kurzen Verschnaufspause beschliessen wir noch eine weitere Runde mit den Fahrrädern zu machen, da das Wetter schöner geworden ist…nun geht‘s in die andere Richtung…landschaftlich ändert sich nicht viel 🙂 Als wir zurück kommen, ist das Deutschlandspiel fast vorbei…und die Stimmung im Keller. Wenig später herrscht Gewissheit: die Deutschen verlieren ihr Spiel… das WM-Fieber ist wohl schon vorbei hier… Nun beginnt unsere Match-Vorbereitung, denn am Abend spielen ja auch die Schweizer…und so gönne ich mir eine „Auszeit“ in der Camping-Sauna – welche ich ganz für mich alleine habe 🙂 Erholt und mit einem Bierli ausgerüstet, machen wir uns wenig später auf zum Schweizer-Spiel…und haben den gesamten Raum für uns 🙂 es kommen dann doch noch ein paar deutsche Fussballexperten dazu, mit denen wir dann einen „spannenden“ Fussballabend verbringen 🙂

Da nun wohl auch in Deutschland das WM-Fieber schon vorbei ist, beschliessen wir am nächsten Tag weiter nach Holland zu fahren – anscheinend sei dort das WM-Fieber gar nicht ausgebrochen 🙂 Wir folgen einem „Insider-Tipp“ und fahren auf einen Campingplatz direkt am „Ijssel-Meer“ in Workum. Wie der Tipp versprochen hat, kann man hier gut kiten…und so macht sich Cyril wenig später auf zum Kite-Spot – der Kite fliegt und Cyril lacht 🙂

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug nach Harlingen. Die kleinen Ortschaften hier an der „friesischen Küste“ ähneln sich alle ein bisschen: herzige kleine Häuser, schmucke Geschäfte, gemütliche Cafés und Restaurants, eine Flussmündung in der ein paar Segelschiffe schaukeln… im Verlaufe des Nachmittages kommt auch die Sonne wieder zum Vorschein – ideal für eine weitere Kitesession. Ich erkunde derweil joggend die Gegend beim Campingplatz. Die Tage hier sind schon aufgrund des ständig wechselnden Wetters spannend: Wolken, Wind und Regen, dann wieder warmer Sonnenschein – alle Tage von allem ein bisschen. Wir legen einen gemütlichen Tag auf dem Campingplatz ein: kiten, Büro, käfele, kiten, joggen, Wäsche machen…was halt so zum „Reise-Alltag“ dazugehört 🙂

In Holland ist nun „Haring-Saison“ (Heering). Gemäss eines weiteren Insider-Tipps, gibt‘s die besten frischen Haringe in Makkum. Zu unserem Glück ist das nicht weit entfernt und so fahren wir zum Hafen von Makkum und geniessen 3 Portionen frisch aufgeschnittenen Haring mit Zwiebeln und Fish & Chips 🙂 Zurück in Workum suchen wir einen Campingplatz etwas näher beim Dorf, da wir am Abend irgendwo WM schauen möchten…und tatsächlich gibt‘s ein Restaurant, das die WM-Spiele zeigt (wir haben uns fast nicht getraut jemanden zu fragen 🙂 ). Die Nachos und Hamburger sind super – das Fussballspiel (Argentinien vs. Kroatien) eine Katastophe! Und das WM-Fieber nun wohl auch in Argentinien vorbei… 🙂

Am nächsten Tag haben wir zwei Ziele: Haring-Essen in Makkum und nach Egmond fahren. Ziel 1 sieht so aus: 2 frische Haringe, Lachs-Salat und Fischknusperli 🙂 Zeil erreicht 🙂 am späteren Nachmittag erreichen wir dann auch Ziel 2: Egmond. Wir suchen den Campingplatz, auf dem Cyril vor etwa 26 Jahren Ferien mit seiner Familie gemacht hat und finden ihn auch 🙂 Wir haben „Pech“ – Freitagabend ist auf dem Campingplatz Jassabend und deshalb wird kein Fussball gezeigt 🙂 Also mieten wir mal wieder ein Velo und fahren nach „Egmond aan Zee“…ein kleines, herziges Dorf direkt am Meer. Wir spazieren ein bisschen umher und suchen dann einen Ort, wo wir den Schweiz-Match schauen können…

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in die Schweiz zurück…wir haben einen kurzen Zwischenstopp geplant, um ein paar Dinge aus dem Camper zu räumen und dafür andere mitzunehmen…

(11.6. bis 23.06.2018)

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